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APG - Presse

Die Erfolge von „Animal Protection Group - Arbeitsgruppe für Tierrechte e.V." ermutigen. Auch Tieren passieren auf unserem Planeten Ungeheuerlichkeiten, die viele Menschen nicht hinnehmen wollen: bei Tiertransporten, in Massentierhaltungen, beim Töten von Straßentieren, Walen, Robben, Vögeln. Aber auch gegen den behördlichen Umgang mit Tieren bei Katastrophen, wo deren Leben nicht zählt, wollen viele Menschen protestieren. Abstimmen im Internet, die Unterschrift erneut auf eine Liste, eine vorgedruckte Postkarte ausfüllen, die sich an einen Politiker richtet? Was hilft?

Animal Protection Group steht für Tierschutz in der Türkei. Wir sprachen mit Adile Pannicke, 2.Vorsitzende des Vereins, die vor 12 Jahren in Ankara zusammen mit ihrem Mann begonnen hatte, sich gegen Unrecht an Tieren einzusetzen. Nachdem sie vor fünf Jahren nach Deutschland zurückkehrten, führen sie hier mit internationalen Partnern ihre politische und praktische Tierschutzarbeit fort - und sind besondere „Anwälte" für die Tiere in der Türkei geblieben.

Was macht die Arbeitsgruppe für Tierrechte?
Unsere Arbeit hat zwei Ebenen - den politischen und den praktischen Tierschutz. Es gibt das Tierschutzhaus in Bitterfeld, in dem ich lebe und in dem kostenlos Tiere aufgenommen werden deren Halter keine Abgabegebühr an die Tierheime aufbringen können. Es gibt die Initiative „Hilfefür- Tiere-in-Not-Sachsen-Anhalt, die finanzschwache Tier- halter mit Futter unterstützt, sowie die Kastrationsprogramme mit Straßenkatzen durchführt. Freilebende Katzen um das Tierschutzhaus werden betreut. Und es gibt den Zusammenschluss von Vereinen und Gruppen von Tierschützern, auch aus dem Ausland. Wir organisieren Proteste im In- und Ausland, um Tieren in Not zu helfen. Und weil ich türkisch spreche, sind wir darauf spezialisiert. Es gibt kein Tierschutzthema in der Türkei an dem wir unbeteiligt sind. Das herausragende ist das Schlachtschächten und da haben wir nach fünf Jahren großen Erfolg erzielt (siehe Geschichten). Aber auch der deutsche Tourist in der Türkei, der einem Straßenhund helfen will, wendet sich oft an uns.

Wie wichtig ist Protest?
Sehr wichtig. Wir sprechen direkt die Leute an, die Entscheidungen treffen können. Bei Aktionen in der Türkei helfen uns die Verhandlungen zur EU-Mitgliedschaft. Die Türkei hat seit einem Jahr ein Tierschutzgesetz, das der EU angepasst ist. Doch es fehlt an der Umsetzung. Da machen wir Druck mit Protesten. Wir schreiben immer auch an Staatspräsidenten, Ministerpräsidenten, zuständige Ministerien, Bürgermeister - und immer auch an die Bewertungsstelle für ein EU-Aufnahmeland nach Brüssel. Dort interessiert man sich auch für den Umgang mit Tieren.

Wie entsteht Euer Protest?
Die türkischen Tierschützer, die sich zur Gruppe H. und andere Gruppen zusammengeschlossen haben, melden die Vorkommnisse mit Beweismitteln an uns. Wir veröffentlichen nichts, wofür wir keine Beweise haben - zum Bericht gehören Fotos und Zeugen. Ich übersetze es, verfasse auch einen Protest-Text und gebe alles, auch die konkreten Adressdaten, in mehrere Verteiler im Internet. Damit erreiche ich die Untergruppen, die es weiterleiten, zum Beispiel den Zusammenschluss CIFAM in Frankreich, auch die Gruppe  CVFA in England gehört dazu.

Was hat sich bei Euch bewährt?
Das Internet hat sich auch wegen der Schnelligkeit bewährt. Aber wir schicken als Verein zu jedem Protest auch ein Einschreiben an die Verantwortlichen des betroffenen Landes, um den Sachverhalt vorzulegen und unbedingt eine Stellungnahme zu bekommen. Es gibt im Internet auch Provider, die Unterschriften sammeln und Proteste weiterleiten. Da kommt man an einen Punkt, wo man den Protest nicht mehr zeitlich und zielgerichtet kontrollieren kann. Wir möchten aber sicher sein, dass alles die Adressaten erreicht. Deshalb arbeiten wir individuell, wissen wer was tut und können Wege verfolgen.

Erfahrt Ihr auch über Erfolge, die öffentlich nicht bekannt werden?
Da unsere Kontaktpersonen die Tierschützer vor Ort sind, erfahren wir sofort, ob sich etwas verbessert oder nicht. Öfter erhalten wir auch Antwort von der Gemeinde, die zur Verbesserung ihres schlechten Rufes auf ihren verbesserten Tierschutz aufmerksam machen möchten.

Wie viele Menschen beteiligen sich an Euren Protesten?

Genau ist das schwer zu sagen, aber es sind jedes Mal Tausende. Kürzlich haben wir wieder einen Protest in einem Tierheim der Türkei vor Ort kontrolliert.

Wie erfahren Interessierte von Euren Aktionen und wie können sie sich beteiligen?
Wer sich für Tiere in der Türkei interessiert und engagieren will, muss sich an uns wenden. Wir finden auch einen Weg der Zusammenarbeit, wenn jemand kein Internet hat. Aber auch mit Protesten zu anderen Themen, wo wir nicht federführend sind, kann man sich an uns wenden. Wir leiten sie weiter, weil auch wir uns an den Aktionen der anderen beteiligen. Auch dabei protestieren wir individuell. Mit Adile Pannicke sprach Sigrid Mielke Erfolgs-Geschichten Protest gegen betäubungloses Schächten Der große Erfolg gegen betäubungsloses Schächten ist eine Arbeit von fünf Jahren. Er begann mit den üblichen Protesten. Dann haben wir uns einen Weg gesucht, um den Religionsvertretern, auch den Gemeinden beizubringen, dass betäubungsloses Schächten in der Religion nicht vorgeschrieben ist und man auch anders koscheres Fleisch haben kann. Gemeinsam mit jüdischen und islamische Professoren der Universität Istanbul haben wir herausgefunden, dass Betäuben nicht im Widerspruch zur Religion steht. Sie konnten das an Schlachttieren sozusagen technisch nachweisen. Diese Ergebnisse wurden dem Religionsamt vorgestellt und es hat verkündet, dass es religionskonform ist, wenn Tiere beim Schlachten betäubt werden. Nur wenn sie dabei ableben ist das Fleisch nicht koscher. Damit gibt es auch für Deutschland eine Rechtsgrundlage. Protest gegen Vergiften von Tieren in Bulgarien Wir bekamen einen Hilferuf aus Burgas in Bulgarien, weil landesweit viele Tiere vergiftet werden sollten. Nach unserem Protest an den Bürgermeister von Burgas und bei der EU wurden die Tötungen in Burgas sofort eingestellt.

Protest gegen Töten von Hunden
Ein Tierschützer aus Istanbul informierte uns, dass über Nacht über 100 Hunde aus dem Tierheim zum Töten ins Unbekannte abtransportiert wurden. Unser Protest führte dazu, dass der Bürgermeister persönlich am nächsten Tag dafür gesorgt hat, dass die Hunde zurückgebracht wurden.

AUS DEN TIERHEIMEN HERZ UND SCHNAUZE-DAS TIERHEIMMAGAZIN  AUSGABE ¾ 2005

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